Autophagie — die Selbstreinigung der Zelle
Was beim Fasten in Ihren Zellen passiert: ein natürlicher Aufräum- und Erneuerungsprozess, für dessen Entdeckung es 2016 den Nobelpreis gab.
Ausgezeichnete Forschung
Der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi erhielt 2016 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin — für die Entdeckung der Mechanismen der Autophagie. Das Wort bedeutet wörtlich „Selbst-Verzehr" und beschreibt, wie unsere Zellen sich selbst aufräumen.
Der Aufräumprozess der Zelle
Zellen bauen beschädigte Bestandteile, alte Proteine und Zellmüll ab und recyceln sie zu neuen Bausteinen — ein natürlicher Reinigungs- und Erneuerungsprozess. Vereinfacht läuft er in drei Schritten ab:
- 1. Zellmüll wird markiert: Beschädigte oder nicht mehr benötigte Bestandteile werden für den Abbau gekennzeichnet.
- 2. Ein Autophagosom umschließt ihn: Eine kleine Membranblase legt sich um den markierten Zellmüll.
- 3. Die Bestandteile werden recycelt: Der Inhalt wird abgebaut und steht der Zelle wieder als Baumaterial zur Verfügung.
Fasten als sanfter Impuls
Kalorienreduktion und Fastenperioden können die Autophagie anregen. Wenn der Körper vorübergehend keine Energie von außen bekommt, greift er verstärkt auf diesen inneren Recycling-Prozess zurück. Die Forschung dazu läuft weiter — vieles ist noch nicht abschließend geklärt.
Heilfasten in Russland — viel Erfahrung, wenig Quellen
Kaum ein Land hat das therapeutische Fasten so intensiv klinisch erforscht wie Russland. Ab den 1950er-Jahren setzte der Psychiater Prof. Juri Nikolajew am Moskauer Psychiatrischen Forschungsinstitut das ärztlich begleitete Fasten gezielt ein — Berichten zufolge bei mehreren tausend Patient:innen. Unter dem Namen „Entlastungs-Diät-Therapie" (RDT) wurde die Methode später auch in anderen Fachbereichen angewendet, etwa bei Bluthochdruck, Asthma oder Hauterkrankungen, und ist dort bis heute ein Begriff. In den 1970er-Jahren besuchte der US-Psychiater Allan Cott Nikolajew in Moskau und machte dessen Arbeit im Westen bekannter.
Ehrlicherweise muss man aber sagen: Viele dieser Ergebnisse wurden zu Zeiten des Kalten Krieges kaum international geteilt, überwiegend nur auf Russisch veröffentlicht und entsprechen nicht den heutigen Standards für Studien. Gut überprüfbare Quellen dazu haben wir deshalb leider nicht — die Erfahrungen sind beeindruckend, lassen sich aber nur schwer wissenschaftlich einordnen.
Was moderne Studien zeigen
Besser dokumentiert ist die Forschung der letzten Jahre. Eine der größten Untersuchungen stammt aus Deutschland: In einer 2019 in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Beobachtungsstudie wurden 1.422 Menschen begleitet, die nach Buchinger 4 bis 21 Tage lang fasteten (mit etwa 200–250 kcal pro Tag aus Gemüsebrühe, Saft und etwas Honig).
Die Ergebnisse im Überblick:
- Blutdruck: Der Blutdruck sank im Schnitt deutlich — systolisch von rund 132 auf 121 mmHg.
- Gewicht & Bauchumfang: Je nach Fastendauer nahmen die Teilnehmenden zwischen rund 3 und 9 kg ab, der Bauchumfang verringerte sich um etwa 5 bis 9 cm.
- Blutfette & Blutzucker: Triglyceride, Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie der Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) verbesserten sich.
- Wohlbefinden: Körperliches und emotionales Wohlbefinden nahmen zu, und 93 % der Teilnehmenden berichteten, während des Fastens kein Hungergefühl zu haben.
- Bestehende Beschwerden: Von 404 Teilnehmenden mit Vorbeschwerden berichteten 84 % von einer Verbesserung.
- Verträglichkeit: Unerwünschte Ereignisse traten bei weniger als 1 % auf — wenn, dann meist leichte Beschwerden wie Müdigkeit oder Schlafstörungen in den ersten Tagen.
Wichtig dabei: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie ohne Vergleichsgruppe, und gefastet wurde unter ärztlicher Begleitung in einer Fastenklinik. Die Ergebnisse zeigen also, was unter guter Betreuung möglich ist — nicht, was jedes Fasten für jede Person bewirkt.
Quelle: Wilhelmi de Toledo F. et al. (2019): Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. PLOS ONE 14(1): e0209353.
Fasten ist kein Ersatz für ärztlichen Rat. Besonders bei Vorerkrankungen sollte jede Fastenform vorher ärztlich abgeklärt werden.